Himmelreich des Barock

Oberschwaben trifft Tschechien – Auf den Spuren gemeinsamer Kultur

Als Heimat bewusste Oberschwaben besichtigten wir Schloss Königswart mit seiner Bibliothek aus Ochsenhausen, sowie das Kloster Strahov in Prag, dessen Bibliothekssaal Maulbertsch schuf. Weitere Programmpunkte waren das Prämonstratenser-Kloster Tepl und der Hradschin in Prag. Außerdem machen wir auf der Hinfahrt Station in Regensburg und besuchen auf der Rückreise die alte Bischofsstadt Eichstätt.

Das war nicht nur der Titel, sondern auch  der „rote Faden“ unserer Studienfahrt vom 18. – 21. Mai 2013. Diese Kontinuität war möglich, weil unsere Reiseleitung, Dr. Helga Müller-Schnepper, während der Reise alle Führungen selber bestritt. In Schloss Königswart und Kloster Tepl mussten wir zu dortigem Personal wechseln, bekamen aber gute, deutschsprachige Führungen.

Den Auftakt unserer Reise bildete Regensburg, weil dort im Alten Rathaus im „Reichsdeputationshauptschluss“ von 1803 ganz Oberschwaben mit seinen  reichsunmittelbaren Klöstern und Städten umgemodelt wurde. Der berühmte Fürst Metternich, der Europa auf dem Wiener Kongress neu gestaltete, erhielt 1803 das Kloster Ochsenhausen und den Titel eines „Fürsten von Ochsenhausen“. Schon bei dieser ersten Station kombinierte unsere Reiseleitung den speziellen Bezug mit einer Führung durch die Altstadt von Regensburg,

Erster Höhepunkt unserer Reise war Schloss Königswart in der Nähe von Marienbad. Dessen Bibliothek hatte Fürst Clemens Metternich mit kostbaren Büchern und Handschriften aus Kloster Ochsenhausen angereichert. Königswart besitzt mit 24 000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken Europas, 4000 davon stammen aus Ochsenhausen. Durch die Kontakte von Michael Barczyk ermöglicht, erhielt unsere Reisegruppe die Möglichkeit, einige Originale aus Ochsenhausen in die Hand zu nehmen. Nicht nur für Bücherliebhaber erwies sich dieses Schloss als Attraktion, zeigt es doch  - umgeben von einem „Englischen Garten“- den edlen Glanz und die Originaleinrichtung des Klassizismus aus der Zeit um 1830. Als echtes Glück empfanden wir nach der Besichtigung die Möglichkeit, in der Metternichschen Schlossgaststätte böhmische Spezialitäten im Freien zu genießen!

Im strahlenden Sonnenschein fuhren wir am Nachmittag durch die böhmischen Wälder und blühenden Rapsfelder zu unserer nächsten Station, dem Kloster Tepl, das etwa 20 km östlich von Marienbad liegt. Der Orden der Prämonstratenser gründete es im 13. Jahrhundert und in der Folge entwickelte es sich zum kulturellen Zentrum, nicht zuletzt in literarischer Hinsicht. Von hier stammt der berühmte „Ackermann aus Böhmen“ aus dem 15. Jahrhundert und es war geradezu selbstverständlich, dass Goethe während seiner Kur in Marienbad auch die gelehrten Mönche besuchte. Noch immer zeugt die uralte Bibliothek von Tepl mit ihren
108 000 Bänden vom geistigen Standard des Klosters. Der heutige Bibliothekstrakt wurde 1902 –1905 im neobarocken Stil errichtet. Mit einer Lesung aus dem „Ackermann aus Böhmen“ und den „Marienbader Elegien“ von Goethe, sowie den Erinnerungen der letzten Fürstin Metternich ließen wir den Abend im Hotel ausklingen.

Reisgruppe vor dem Schloss Königswarth
Dr. Helga Müller-Schnepper vor dem Regensburger Dom
Haupt-Bibliothekssaal des Kloster Strahov in Prag
OBZ-Mitglieder-Pilotreise nach Tschechien

Quellen: MG(MG) © 09/2014 (05/2013)

Weitere Informationen:

Kaleidoskop der OBZ-Mitglieder-Pilotreise

Der nächste Tag war Prag gewidmet. Auch hier besichtigten wir die Highlights, aber der St.Veits-Dom auf dem Hradschin bot uns eine zusätzliche Möglichkeit, Tschechien mit Schwaben zu verbinden, wirkte doch Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd als wichtigster Dombaumeister. Noch näher mit unserer oberschwäbischen Heimat verknüpfen ließ sich dann der Besuch des Prämonstratenser-Klosters Strahov mit seiner barocken Doppel-Bibliothek von 130 000 Bänden. Den älteren „Theologischen Saal“ mit Globen und Büchern religiöser Thematik muss man einfach bewundern. Er erhielt seine heutige Gestalt im Jahr 1721. Aus dieser Zeit stammen auch die Fresken des Ordensmitglieds Bruder Siardus Nosecký, die Schlachtszenen aus dem Dreißigjährigen Krieg schildern. Von Heimatgefühlen getragen aber bestaunten wir den jüngeren „Saal der Philosophie“, denn dessen Deckenfresko schuf Franz Anton Maulbertsch aus Langenargen. Der Meister war bereits 70 Jahre als, als er dieses Werk 1794 in nur sechs Monaten zusammen mit einem Gehilfen vollendete. Als markantes Zeugnis der Aufklärung zeigt das Fresko den Sieg der Philosophie im Lauf der Jahrhunderte und nicht etwa den der Theologie wie in Schussenried. Ein weiterer elementarer Unterschied aber ist die Tatsache, dass in Strahov die Bücher vom Mittelalter bis zur Gegenwart noch vorhanden sind.

Zum Abschluss unseres Pragbesuchs spazierten wir – immer begleitet von lockeren Erläuterungen unserer Reiseleitung - zur Karlsbrücke und dem Altstädter Ring, wobei der Besuch des Alten Jüdischen Friedhofs ein Highlight der besinnlichen Art bildete.

Die Rückreise am nächsten Tag unterbrachen wir in der alten Bischofsstadt Eichstätt, zugegebenermaßen ganz ohne Bezug zu Oberschwaben. Für den Großteil der Reisegruppe aber war es eine völlig unbekannte Stadt, die mit einer lebendigen Geschichte vom Mittelalter bis zum Barock beeindruckt.

Kaleidoskop der OBZ-Mitglieder-Pilotreise nach Tschechien 18.-21.5.2013

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