Himmelreich des Barock

Frauenklöster der Zisterzienser

Zisterzienserinnen am Bodensee, Foto: Reiner Löbe

<leicht gekürzte Fassung:>Salem um das Jahr 1220: Abt Eberhard steht der mächtigen Zisterzienserabtei Salem vor und träumt von einer durch die Zisterzienser geprägten „Welt am Bodensee“. Mit Weitblick und Tatkraft gliedert er fünf bestehende Frauenkonvente dem Zisterzienserorden ein: Baindt, Gutenzell, Heggbach, Heiligkreuztal und Wald. Schon bald verbindet ein roter Faden das Schicksal dieser Klöster…

Abt Eberhard war Visionär und Stratege. Er hatte das Ziel, den Weg für nachfolgende Klostergenerationen zu ebnen und nahm daher gleich fünf Beginengemeinschaften unter die Fittiche der Zisterzienser. Denn im 11. Jahrhundert begeisterten sich viele Frauen für die religiöse Erneuerungsbewegung. Sie waren allerdings dem Generalverdacht der Häresie, des Ketzertums, ausgesetzt und drängten daher unter die Obhut geistesverwandter Männerklöster.

Schutz gegen Freiheit

Die Zisterzienser wurden von weiblichen Aufnahmegesuchen in den Orden nahezu überrannt — wegen der damit verbundenen Mehrarbeit und Aufsichtspflicht oftmals eine heillose Überforderung für die betroffenen Äbte. Ein Vater-Abt überwachte die Aufnahme der Nonnen, die Wahl der Äbtissin, die Einhaltung strengster Klausur und die wirtschaftliche Rentabilität in den Töchterklöstern, er sandte Beichtväter und Messpriester.

Vom Mittelalter bis zum Barock: Blütezeit, Reformen und der Dreißigjährige Krieg

Alle fünf Klöster verzeichneten eine wirtschaftliche Blütezeit, jedoch vor allem in Heiligkreuztal und Wald lockerte sich die Ordensdisziplin: modische Anpassung der Ordenskleidung, offen zur Schau gestellter Privatbesitz und ganze separate Haushaltungen einzelner Nonnen wurden zur geduldeten Gewohnheit.

Reformversuche scheiterten kläglich. So brauchte es erst zwei besonders tugendhafte Äbtissinnen vor Ort, Margarethe von Werdenstein und Margarethe Schenk von Castell, die mit dem Blick für die gemeinsame Sache aus eigener Kraft erfolgreich Reformen durchsetzten.

Ende des 17. Jahrhunderts: Barock in Oberschwaben, Geschossenes Bild und Heilige Leiber

Der beeindruckende Glanz der Klosterkirche in Wald mit der separaten Äbtissinnen-Loge gibt anschaulich Zeugnis vom barocken Prunk, konträr zum Ordensideal der Zisterzienser und zum Prinzip der bilderlosen Schlichtheit! Dazu passen einige wundersame Blüten.
In Wald war es zum Beispiel die Wallfahrt zum "geschossenen Bild". Das Gemälde stellt eine Szene dar, in der ein schwedischer Soldat freventlich auf ein Kreuz schießt – woraufhin sich die Erde auftut und ihn verschlingt. Als schönes weiteres Exempel gilt Heggbach, das sich, wie damals üblich, dem Reliquienkult verschrieben hatte. Komplette "Heilige Leiber" von vermeintlichen Märtyrern wurden aus Rom bestellt, um sie in der Klosterkirche der Verehrung auszusetzen.

Säkularisation und Aufhebung

Die Bewohnerinnen durften zwar bis zu ihrem Lebensende in den Abteien wohnen. Doch was wurde aus Abt Eberhards Vision? –Die Abtei Lichtenthal (Baden-Baden), die vor mehr als 750 Jahren mit Hilfe der Walder Zisterzienserinnen gegründet wurde, setzt zumindest einen Teil der spannenden Geschichte bis in unsere Gegenwart fort.

Zisterzienserinnen am Bodensee, Foto: Reiner Löbe

Quellen: , Heimschule Kloster Wald, MG(MG) © 05/2017 (05/2017)

Weitere Informationen:

» Gemeinde Wald

Kloster Wald

Am 18. Mai 1946 wurde die Heimschule Kloster Wald durch die Benediktinerinnen von der Heiligen Lioba (Freiburg-Günterstal) gegründet. Die historischen Gebäude wurden nach und nach zur Heimat einer Mädchenschule. Die Atmosphäre von Kloster Wald wird durch die Baugeschichte bestimmt: den gotischen Kreuzgang, die spätgotische Zehntscheuer, den „Jennerbau“, schön restaurierte Renaissanceräume. Die verschiedenen Epochen des Barock sind im Stuck der Treppenhäuser und Decken, in den Fassaden und Dachkonstruktionen sichtbar.

Die Gründung der Heimschule (Gymnasium mit Internat) war eine Antwort auf die Erziehungs- und Bildungsprobleme der Nachkriegsjahre. Sie entsprach dem Bedürfnis nach einer den christlichen Grundsätzen verpflichteten Internatsschule für Mädchen. 1950 wurden der Schule Lehrwerkstätten angegliedert, in denen die Schülerinnen parallel zum Abitur ein Handwerk erlernen können. Diese Ausbildung in der Möbelschreinerei, Holzbildhauerei oder Damenschneiderei wird von den meisten Mädchen absolviert und schließt mit der Gesellinnenprüfung ab.

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