Himmelreich des Barock

Die Gaunersprache

Räubergesicht

Seit dem späten Mittelalter ist eine eigene Sprache der Räuber, das Rotwelsch, überliefert.

Mit der Umwandlung gesellschaftlicher Strukturen im 19. Jh. lösten sich die organisierten Räuberbanden auf dem Land auf, das Rotwelsch verlor seine Bedeutung, lebt allenfalls rudimentär in der Subkultur großer Städte fort. Nur eine Tochtersprache des Rotwelsch, das Jenische, die Sprache der fahrenden Leute, wird noch im deutschen Sprachraum gesprochen.

Wie das Rotwelsch entstand

Abschirmung und Schutz nach außen, Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls dürfte wohl die Begründung einer eigenen Sprache gewesen sein.

Da die Gauner als Vagabunden im stetigen Austausch mit anderen Fahrenden standen, übernahmen sie Teile deren Ausdrucksweise und mischten sich so ihr Rotwelsch (rot = Farbe des Aufruhrs, welsch = unverständliche Sprache, vgl. Kauderwelsch).

Von vagierenden Studenten übernahmen sie lateinische Ausdrücke (z. B. Hospes = Wirt), von Lombarden italienische (z. B. grandig = groß), von Hausierern aus der Slowakei slawische (z. B. Puschke = Waffe), von den Zigeunern Rom-Wörter (z. B. tschi = ja), von jüdischen Kleinhändlern jiddische (z. B. kess = gaunerisch, Kochem = Gauner).

Der größte Anteil besteht aus verballhornten oder alten deutschen Wörtern mit vielen Übernamen (z. B. Jäger = Heckenscheißer, brummeln = beichten, quasseln = reden).

In unsere Umgangssprache sind viele rotwelsche Wörter eingedrungen. Das geschah durch Studenten, Handwerker auf der Stör oder fahrende Krämer, die einerseits engen Kontakt zur sesshaften heimischen Bevölkerung und andererseits zu den Gaunern gehabt haben.

Die Wirtsstube zu Weißenbronnen bei Wolfegg könnte so eine Drehscheibe gewesen sein: „Beizer, scheften keine Kochem herrles? (Wirt, sind keine Diebe da?). Tschi, schmust der Beizer (Ja, sagt der Wirt)".


Quellen: Michael Barczyk, MG(KB) © 09/2014 (04/2013)

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