Himmelreich des Barock

Dominikus Zimmermann in der Wies

Sixtus Lampl stellte zu Beginn seines Vortrags die zwei bekanntesten Portraitdarstellungen Dominikus Zimmermanns vor: Die in Steinhausen zeigt ihn als Führer seines Pferds, die andere kniend vor seiner Wieskirche auf einem Votivbild, das Dr. Lampl sichtlich überrascht als Dankeschön erhält.

Anschließend gab Dr. Lampl so manche Geschichte Preis: Etwa dass 1984die Wieskirche geschlossen werden musste, angeblich wegen Baufälligkeit und erst ein Aufschrei durchs Land gehen musste, damit man sich um die Restauration kümmert. Bei der Wiedereröffnung der Wieskirche goss es in Strömen, dass das Wasser von den Wänden herunterlief und 1 cm hoch im Altarraum stand.
Im weiteren Verlauf ging Dr. Lampl auf bauliche Besonderheiten der Wieskirche ein: den dreischiffigen Chor, die Altarnische mit gegeißeltem Chistus und Altakuppel, die 2 Pelikane auf Altarkuppel und Orgel und, was er erst spät entdeckte - wie er betont, das INRI-Symbol, dass von allen Seiten lesbar ist.
Das „Wunder der Wies" besteht nach Sixtus Lampl in der umfassenden Bild- und Formsymbolik, in der sich für Eingeweihte der ganze Kosmos der christlichen Kirche erschließt: An der Kanzel z. B. tragen Putti die Stäbe von Papst, Kardinal und den Kirchenvätern, unten findet man die 4 Elemente. Das Chorfresko zeigt Gott, dessen mächtiger rechter Arm die Welt am Leben erhält und dabei auf das verlassene Kreuz zeigt. Im Deckenfresko thront Jesus auf einem Regenbogen, der die Welten verbindet. Über der Orgel beeindruckt die Himmelspforte: Wenn sich die Himmelspforte öffnet, ist das Ende der Zeit erreicht. Weder die Naturwissenschaft, noch die Philosophie haben ein stärkeres Bild.


Quellen: Dr. Sixtus Lampl, MG(MG) © 11/2016 (11/2016)

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Und schließlich das Licht: Die Wieskirche ist nach Lampl so gestaltet, dass sie das Licht rings herum einfängt, über spezielle Fensterbögen nach innen leitet, wo es von den Säulen reflektiert und auf die normalerweise dunklen Innenwände geworfen wird. Ja selbst die Stuckformen scheinen das Licht mannigfaltig zu spiegeln, zu brechen und tragen so zum inneren Leuchten der Wieskirche bei.
Bei den Innenwänden fallen mir viele weiße Stellen auf. Einerseits reflektieren Sie das Licht. Andererseits konnte Dominikus durch geschicktes Weglassen und Versetzen, alle Elemente des Baugefüges optimal aufeinander abstimmen. Dabei steht jedes Element mit jedem anderen in Beziehung wie der dreieinige Geist, die katholische Kirche und die Schöpfung selbst. Nur aus diesem Blickwinkel lässt sich das Gesamtkunstwerk Wieskirche verstehen.

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